Wurdest du schon mal schief angeschaut, abgespeist und abgewiesen, weil man meinte, du gehörst nicht dazu?
Bist du schon mal ferngeblieben, weil du selbst das Gefühl hattest, du gehörst nicht dazu?
Eine heidnische Frau läuft Jesus nach, schreit ihm hinterher und fleht um Hilfe für ihre Tochter, die schwer krank ist: „Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids!“
Und Jesus? Er reagiert erst einmal gar nicht, gibt ihr keine Antwort, kein Wort des Trostes, keine Zuwendung. Stattdessen nur Schweigen.
Die Jünger um ihn werden ungeduldig: Diese Fremde nervt! Herr, schick sie fort.
Als Jesus endlich antwortet, ist er zuerst schroff und abweisend: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ (Mt 15,21–28)
Die frustrierende Erfahrung von einem Gott, der schweigt und sich entzieht, gerade dann, wenn man ihn am meisten braucht, kennen viele aus dem eigenen Leben: aus langem Bangen am Krankenbett, aus vielen Jahren, in denen ein Gebet unbeantwortet blieb und man nur die eigene Stimme im Raum hörte.
Spätestens da hat unser Kindheitsbild vom „lieben, gütigen Gott, der immer da ist für mich“ Risse bekommen. Es folgen die bittere Enttäuschung und das Fernbleiben.
Die heidnische Frau musste durch das Schweigen und die Abweisung hindurch. Sie blieb dran, drehte Gott den Rücken nicht zu. Sie lehrt uns, beharrlich zu bleiben im Glauben.
Unser Gottesbild reift nämlich auch an Prüfungen. Wir malen uns gern einen „lieben“ Gott, der sofort tröstet, sofort antwortet, nie schweigt und alle Not von uns fernhält. Sein scheinbares Schweigen und Nicht-Eingreifen können wir nicht verstehen – nur aushalten.
Denn Gott ist nicht verfügbar. Seine Wege sind oft anders. Wir vermögen nicht, sie zu durchschauen, aber hoffen dürfen wir immer, dass er es letztlich gut mit uns meint.